{"id":4485,"date":"2022-10-12T12:07:05","date_gmt":"2022-10-12T10:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/orient-kontor.com\/?p=4485"},"modified":"2024-11-17T18:17:47","modified_gmt":"2024-11-17T17:17:47","slug":"die-geschichte-des-safrans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/orient-kontor.com\/en\/die-geschichte-des-safrans\/","title":{"rendered":"Die Geschichte des Safrans"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Safrans vom Anbau bis zur Verwendung reicht mehr als 3.500 Jahre zur\u00fcck und durchzieht mehrere Kulturen, Kontinente und Zivilisationen. Das Gew\u00fcrz Safran, das aus den getrockneten Narben der Safranbl\u00fcten (<i>Crocus sativus<\/i>) gewonnen wird, ist eines der teuersten Substanzen der Weltgeschichte. Mit seinem herb-bitteren Geschmack und dem heuartigen Geruch wird Safran nicht nur als Gew\u00fcrz sondern auch als Parf\u00fcm, Farbstoff und Medizin verwendet. Safran stammt aus dem Nahen Osten, wurde aber zuerst in Griechenland kultiviert.<\/p>\n<p>Der wilde Vorfahre der Safranblume ist <i>Crocus cartwrightianus<\/i>. Bauern z\u00fcchteten Exemplare von <i>C. cartwrightianus<\/i>, indem sie Pflanzen mit besonders langen Narben ausw\u00e4hlten. Durch Kreuzung entstand am Ende der Bronzezeit auf Kreta eine mutierte Form von <i>C. cartwrightianus<\/i> &#8211; der <i>Crocus sativus<\/i>. Die erste Erw\u00e4hnung von Safran findet sich in assyrischen botanischen Schriften aus der Assurbanipal-Zeit (6. Jahrhundert v. Chr.). Seitdem wurden Dokumente gefunden, die die Verwendung von Safran \u00fcber 4.000 Jahre hinweg bei der Behandlung von etwa neunzig Krankheiten belegen. Safran verbreitete sich dann langsam in ganz Eurasien und erreichte sp\u00e4ter Nordafrika, Nordamerika und Ozeanien.<\/p>\n<h3>Safran in der persischen Kultur<\/h3>\n<p>Safranpigmente wurden in pr\u00e4historischen Malereien von wilden Tieren in 50.000 Jahre alten Felszeichnungen gefunden, die im heutigen Irak liegen. In j\u00fcngerer Zeit verwendeten die Sumerer Safran als Zutat in ihren Heilmitteln und Zaubertr\u00e4nken. Sie kultivierten keinen Safran und zogen es vor ihn von wilden Blumen zu ernten. Sie waren der Meinung waren, dass nur g\u00f6ttliches Eingreifen die medizinischen Eigenschaften des Safrans gew\u00e4hrt. Solche Zeugnisse best\u00e4tigen die Tatsache, dass Safran schon lange vor dem H\u00f6hepunkt seines Anbaus auf Kreta im 2. Jahrtausend v. Chr. in Gebrauch war. Auch im hebr\u00e4ischen Tanakh wird Safran seit 3.000 Jahren f\u00fcr seinen s\u00fc\u00dfen Duft gepriesen:<\/p>\n<p>&#8222;Sie haben die Frische eines paradiesischen Obstgartens, bepflanzt mit Granatapfelb\u00e4umen mit exquisiten Fr\u00fcchten. Der Duft von Henna und Spikenard, von Spikenard und Safran, von Lorbeer und Zimt, vermischt sich mit all den duftenden H\u00f6lzern.&#8220;<\/p>\n<p>In Persien wurde Safran (insbesondere die Sorte &#8218;<i>hausknechtii<\/i>&#8218;) im zehnten Jahrhundert v. Chr. in Derbent und Isfahan angebaut. F\u00e4den aus persischem Safran wurden in k\u00f6niglichen Teppichen und Leichent\u00fcchern verwoben. Safran wurde von den Gl\u00e4ubigen als Opfergabe an ihre Gottheiten, sowie als leuchtend gelbes Pigment, Parf\u00fcm und Medizin verwendet. So wurden Safranf\u00e4den auf Betten gestreut und in hei\u00dfem Tee serviert, um Phasen der Melancholie entgegenzuwirken. So wurden die persischen Safranf\u00e4den sowohl zum W\u00fcrzen von Speisen und Tees als auch als Beruhigungsmittel und Aphrodisiaka verwendet. Aufgel\u00f6st in Wasser mit Sandelholz nutzte man ihn auch zur Reinigung des verschwitzten K\u00f6rpers nach harter Arbeit.<\/p>\n<p>Auch Alexander der Gro\u00dfe fand gefallen an dem \u201croten Gold\u201d. Er setzte Safran bei seinen Armeen w\u00e4hrend der asiatischen Feldz\u00fcge ein. Er wurde im Tee gebraucht und als Safranreis gegessen. Alexander hat den Safran angeblich auch seinen hei\u00dfen B\u00e4dern hinzugef\u00fcgt, da er glaubte, dass dies seine vielen Wunden heilen konnte. Er empfahl au\u00dferdem auch seinen Untergebenen in Safran zu baden. Die griechischen Soldaten, die im Bann seiner angeblichen heilenden Tugenden standen, verwendeten es auch nach ihrer R\u00fcckkehr nach Makedonien.<\/p>\n<p>Die Kultur des Safrans erreicht auch die heutige T\u00fcrkei, wobei sich die Ernten um den Norden der Stadt Safranbolu konzentrieren; diese Gegend ist noch heute f\u00fcr ihre j\u00e4hrlichen Feste rund um die Safranernte bekannt.<\/p>\n<h3>Safran in der europ\u00e4ischen Kultur<\/h3>\n<p>Nach dem Untergang des R\u00f6mischen Reiches ging der Anbau von Safran in Europa zur\u00fcck. Im Laufe mehrerer Jahrhunderte wurde diese Kultur in ganz Europa zunehmend selten und starb in Teilen aus. Dies \u00e4nderte sich jedoch, als die maurische Zivilisation nach Nordafrika expandierte und sich auf der Iberischen Halbinsel, in Teilen Frankreichs und S\u00fcditaliens etablierte. Es hei\u00dft, dass die Mauren nach ihrer Niederlage gegen Karl Martel in der Schlacht von Poitiers im Jahr 732 Safran in der Region Quercy und Poitou wieder eingef\u00fchrt haben. Zwei Jahrhunderte nach der Eroberung Spaniens pflanzten die Mauren Safran in den s\u00fcdlichen Provinzen Andalusien, Kastilien, La Mancha und Valencia an.<\/p>\n<p>Zahlreiche franz\u00f6sische Provinzen widmeten sich der Kultivierung des Safrans, insbesondere Quercy und Albigeois, welche die gr\u00f6\u00dften Produzenten in Frankreich im 13. Jahrhundert waren. Damals hie\u00df es, dass der Safran von Quercy der beste Europas sei. Das Pfl\u00fccken von Safran, eine anstrengende und akribische Aufgabe, wurde Kindern und Frauen \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Die erste Verordnung zur Regelung des franz\u00f6sischen Safranhandels wurde am 18. M\u00e4rz 1550 in Blois erlassen. Im Livre du Safran, das 1568 in Poitiers ver\u00f6ffentlicht wurde, wird erw\u00e4hnt, dass die Deutschen jeden Herbst in dem Departement Charente Safran im Wert von hunderttausend Pfund kauften.<\/p>\n<p>Im Jahr 1698 erlaubte ein Edikt von Ludwig XIV. die Ernte von Safran.<\/p>\n<p>Ein Patentschreiben des K\u00f6nigs aus dem Jahr 1772 weist darauf hin, dass in f\u00fcnfzehn franz\u00f6sischen St\u00e4dten Inspektoren f\u00fcr den Safran benannt wurden: unter anderem in Rouen, Orleans, Pithiviers, Dijon, Avignon, Albi, Cahors, Angoul\u00eame und Pont-Saint-Esprit.<\/p>\n<p>In einem Brief des Pr\u00e4fekten von Vaucluse aus dem Jahr 1808 wird &#8222;die \u00dcberlegenheit des Safrans in der Orangenmode f\u00fcr die Region Carpentras&#8220; erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Nach dem ersten Weltkrieg sind die Safranfelder in Frankreich so gut wie verschwunden. Es gibt noch vereinzelte Bauernh\u00f6fe und Familieng\u00e4rten, in denen noch Safran angebaut und geerntet wird.<\/p>\n<p>Als die Pest zwischen 1347 und 1350 in Europa w\u00fctete, ging die Nachfrage nach Safran immens in die H\u00f6he. Er war bei den Pestopfern wegen seiner medizinischen Eigenschaften begehrt. Allerdings sind die meisten europ\u00e4ischen Bauern, die ihn anbauen konnten, selber der Krankheit zum Opfer gefallen. Aus diesem Grund wurden gro\u00dfe Mengen Safran von au\u00dferhalb Europas importiert.<\/p>\n<p>Die qualitativ hochwertigen Safranf\u00e4den aus muslimischen L\u00e4ndern waren f\u00fcr die Europ\u00e4er wegen der durch die Kreuzz\u00fcge gesch\u00fcrten Feindseligkeiten nicht verf\u00fcgbar, so dass z.B. Rhodos ein wichtiger Lieferant f\u00fcr Mittel- und Nordeuropa wurde.<\/p>\n<p>Safran war einer der Gr\u00fcnde, weswegen es zu Feindseligkeit zwischen dem untergehenden Landadel und den aufstrebenden und zunehmend wohlhabenden Kaufleuten kam. Der vierzehn w\u00f6chige &#8222;Safrankrieg&#8220; wurde ausgel\u00f6st, als eine 363 kg schwere Ladung Safran von Adligen gestohlen wurde. Der Wert der Ladung entsprach nach heutigen Marktpreisen in etwa einer halben Million Euro. Die gestohlene Ladung wurde schlussendlich den eigentlichen Eigent\u00fcmern zur\u00fcckgegeben, jedoch stand der gesamte Handel im 13. Jahrhundert aufgrund von Piraterie unter Druck. Interessanterweise war Safran f\u00fcr viele Piraten ein lukrativeres Gesch\u00e4ft als der Raub von Gold. Um die Piraterie zu umgehen baute z.B. die Stadt Basel seine eigenen Safranknollen an und wurde in den folgenden Jahren dadurch extrem wohlhabend. Um den Wohlstand zu sch\u00fctzen, verbot die Stadt den Export von Safranknollen. Es wurden eigene Wachen angestellt, welche die Felder vor Dieben besch\u00fctzen sollten. Der Erfolg hielt allerdings nicht sehr lange und nach etwa 10 Jahren gab die Stadt den Anbau auf.<\/p>\n<p>Der Dreh- und Angelpunkt des mitteleurop\u00e4ischen Safranhandels verlagerte sich nach N\u00fcrnberg. Die venezianischen Kaufleute beherrschten weiterhin den Seehandel am Mittelmeer und handelten mit Sorten aus Sizilien, Frankreich, Spanien, \u00d6sterreich, Kreta und Griechenland sowie dem Osmanischen Reich. Auch gepanschte Ware machte die Runde: in Honig eingeweicht, mit Ringelblumenbl\u00fcten vermischt oder in feuchten Kellern gelagert. Viele Mittel waren recht, um schnell und billig an Volumen zu gewinnen. Ver\u00e4rgerte N\u00fcrnberger Beh\u00f6rden erlie\u00dfen den Safranschou-Kodex, um den Safranhandel zu unterbinden. Verf\u00e4lscher wurden demnach zu Geldstrafen verurteilt, ins Gef\u00e4ngnis geworfen und durch Erh\u00e4ngen hingerichtet.<\/p>\n<p>Im 14. Jahrhundert entwickelte sich dann England zu einem gr\u00f6\u00dferen Safranproduzenten unter der Herrschaft von Edward III. Der Safran wurde vor allem in den K\u00fcstenregionen, in Norfolk, Suffolk und S\u00fcd-Cambridgeshire angebaut. Gew\u00f6hnliche Leute, die ein wenig Land besa\u00dfen, konnten durch den Safrananbau zu bescheidenem Wohlstand kommen. Das geschah jedoch h\u00e4ufig durch die Ausbeutung von Arbeitskr\u00e4ften, die nicht oder schlecht bezahlt wurden. Der Safrananbau war und ist damals wie heute sehr arbeits- und personalintensiv ist. In England hielt sich der Anbau nur auf den leichten, gut durchl\u00e4ssigen und kalkhaltigen B\u00f6den der Landschaft im Norden von Essex. Die Stadt Saffron Walden in Essex erhielt ihren Namen als Zentrum des Safrananbaus und -handels. Ihr urspr\u00fcnglicher Name war \u201cCheppinge Walden\u201d. Durch die kulinarische Namens\u00e4nderung wurde die Bedeutung der Ernte f\u00fcr die Stadtbewohner unterstrichen. Das Wappen der Stadt zeigt immer noch Bl\u00fcten des gleichnamigen Krokus.<\/p>\n<p>Zum Ende des Mittelalters hin gef\u00e4hrdeten aufkommende puritanische Bestrebungen und neue Eroberungen im Ausland die Verwendung und den Anbau des englischen Safrans. Puritanische Parteig\u00e4nger bevorzugten zunehmend strenge, schmucklose und ungew\u00fcrzte Speisen. Safran war au\u00dferdem eine arbeitsintensive Kulturpflanze, was mit steigenden Lohn- und Zeitkosten zunehmend zum Nachteil wurde. Schlie\u00dflich bedeutete der Zustrom exotischer Gew\u00fcrze aus dem Fernen Osten aufgrund des wieder auflebenden Gew\u00fcrzhandels, dass die Engl\u00e4nder, wie auch andere Europ\u00e4er, gr\u00f6\u00dfere Mengen zu g\u00fcnstigeren Preisen erwerben konnten.<\/p>\n<h3>Safran in Nordamerika<\/h3>\n<p>Safran fand seinen Weg in die Neue Welt als Tausende von els\u00e4ssischen, deutschen und schweizerischen T\u00e4ufern, Dunkards und weitere religi\u00f6s Verfolgte aus Europa flohen. Sie lie\u00dfen sich haupts\u00e4chlich im \u00f6stlichen Pennsylvania im Tal des Susquehanna River nieder. Diese Siedler, die als Pennsylvania Dutch bekannt wurden, bauten um 1730 Safran in gro\u00dfem Umfang an.<\/p>\n<p>Die Knollen selbst wurden angeblich in einer einfachen Truhe zum ersten Mal nach Amerika gebracht. Diese Truhe war im Besitz von deutschen Anh\u00e4ngern einer protestantischen Kirche, die als Schwenkfelder Kirche bekannt war. Schwenkfelders, wie die Mitglieder genannt wurden, waren gro\u00dfe Liebhaber von Safran und hatten ihn vorher bereits in Deutschland angebaut. Pennsylvania-Dutch-Safran wurde bald erfolgreich an spanische Kolonisten in der Karibik vermarktet. Eine gesunde Nachfrage anderswo sorgte daf\u00fcr, dass sein Listenpreis an der Warenb\u00f6rse in Philadelphia mit dem von Gold gleichgesetzt wurde. Der Krieg von 1812 zerst\u00f6rte jedoch viele der Handelsschiffe, die amerikanischen Safran ins Ausland transportierten. Die Safranbauern in Pennsylvania hatten danach \u00fcbersch\u00fcssige Best\u00e4nde und der Handel mit den karibischen M\u00e4rkten erholte sich nie wieder. Dennoch entwickelten die holl\u00e4ndisch-deutschen Bauern in Pennsylvania viele Verwendungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den nun reichlich vorhandenen Safran in ihrer eigenen Hausmannskost. Safran wurde in Kuchen-, Nudel-, H\u00fchner- oder Forellengerichten verwendet. Der Safrananbau \u00fcberlebte bis in die Neuzeit vor allem im Lancaster County, Pennsylvania.<\/p>\n<h3>Wo wird Safran angebaut?<\/h3>\n<p>Safran wird vor allem in Regionen angebaut, die ein warmes, trockenes Klima bieten. Die Hauptanbaugebiete liegen in L\u00e4ndern wie Iran, Spanien, Indien (insbesondere Kaschmir) und Griechenland. Dabei ist der Iran der weltweit gr\u00f6\u00dfte Produzent und liefert etwa 90 % des globalen Safrans. Die Safrankrokusse gedeihen in n\u00e4hrstoffreichen, gut durchl\u00e4ssigen B\u00f6den und ben\u00f6tigen intensive Pflege, da die Ernte der Safranf\u00e4den ausschlie\u00dflich von Hand erfolgt. Auch kleinere Anbaugebiete wie Italien, Marokko und Afghanistan tragen zur weltweiten Produktion bei. Aufgrund der anspruchsvollen Bedingungen und des hohen Arbeitsaufwands z\u00e4hlt Safran zu den teuersten Gew\u00fcrzen der Welt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte des Safrans vom Anbau bis zur Verwendung reicht mehr als 3.500 Jahre zur\u00fcck und durchzieht mehrere Kulturen, Kontinente und Zivilisationen.<\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":1086,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[92],"tags":[],"class_list":["post-4485","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog-2"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Geschichte des Safrans - Orient Kontor<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/orient-kontor.com\/en\/die-geschichte-des-safrans\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_GB\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Geschichte des Safrans - 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